lang

07. März 2006 / Die Bankerl-Depesche, die Achte


Der Weg bis zu dem Tag, an dem die Bankerl-Revolution den ganzen Erdball samt angrenzendem Weltall inklusive an der Einsteinschen Physik wenig interessierten Dimensionen erfasst hat, ist noch lange. Das haben wir natürlich gewusst (wenn wir darüber nachgedacht hätten), das beweisen aber auch immer wieder Kommentare von Revolutionären, die es eigentlich besser wissen sollten: Die Depesche ist zu lang, lautete eine unverkennbar zum Vorwurf neigende Bemerkung, die von anderer Seite dann auch noch wiederholt wurde. Dazu:

Natürlich ist die Depesche zu lang. Sie ist ja auch nicht interessant und kurzweilig soll sie auch nicht sein. Ansonsten würde es ja nicht nur allen Artikeln des Manifestes widersprechen, es würde in der Konsequenz vielleicht sogar (und daran wollen wir eigentlich gar nie nicht denken) bedeuten, dass der Bildschirmschoner von La Commandanta sich beim Lesen der Depesche niemals mehr von selbst einschalten würde. Ganz zu schweigen davon, dass der US-Commandante wieder ins hektische Kalifornien zurück möchte und der Web-Commandante den Anflug einer Unruhe verspüren könnte ....

... zum Glück ist dies aber eine Gefahr, die erst dann dräut, wenn der, dessen Name nicht genannt werden darf, sich www.auf-dem-bankerl.de hinsetzen möchte. Das allerdings ist so unwahrscheinlich wie der planmäßige Hausbau von Revolutionär Jürgen. So oder so, der Web-Commandante hält seinen traditionellen Winterschlaf, weshalb sehr, sehr viele Bankerl-Photos im Wurmloch von Sympathisant Stephan der ungewissen Zukunft und nächsten Depesche harren. Der aufmerksame Leser, der es also bis hierher geschafft hat, denkt sich jetzt vielleicht, dass es diesmal eine kurze Depesche wird, doch weit gefehlt: Es gingen viele Gschichteln über depesche@auf-dem-bankerl.de ein, weshalb es angeraten ist, sich mal in Ruhe hinzusetzen und etwas Zeit zu nehmen:

Kurz nach der letzten Depesche erreichte uns auf die herrlich larmoyante Kettenbrief-Klage von Revolutionärin Kathrin eine textliche Hilfsaktion von Revolutionärin Rosemarie: Ich möchte der Revolutionärin Kathrin, die Probleme mit den lästigen Kettenbriefen hat, einen Tipp geben. Ich litt nämlich auch lange Zeit unter dieser Bürde. Weil sich in meinem E-Mail-Verteiler lauter nette Leute befinden, denen ich das nicht antun will, weil die einen dann nur noch schräg anschauen. Das kann man ganz toll umgehen, indem man die Kettenbriefe in Gedanken weiterschickt. Geht ganz fix, und keiner ist einem böse. Und das Glück ist mir seither hold. Der Computer hat seither keinen Crash mehr gehabt, es brennen keine Glühbirnen mehr durch, Kunden zahlen anstandslos, die Aufträge flutschen, und sogar im Lotto habe ich gewonnen, zwar nicht den Jackpot, aber immerhin einen Dreier + die letzten beiden Zahlen im Spiel 77. Insgesamt 22 Euro, die ich sofort in eine Eintrittskarte für das Basta-Konzert am kommenden Mittwoch investiert habe. Den Aberglauben kann man also gut austricksen.
Übrigens, ich habe Revolutionär Kathrin eben einen Kettenbrief in Gedanken gemailt. Und dem Commandante auch. Angekommen? Gezeichnet Revolutionärin Rosmarie, Kettenbriefverteiler par excellence.


Sie ist keine Sympathisantin mehr, sondern ab sofort Revolutionärin Stephanie. Dafür hat sie auf ein Bankerl vor ihrer Haustüre gesetzt und wartet auf die geniale Geschäftsidee, die sie ohne Arbeit steinreich macht. Diese Strategie ist definitiv eine sehr gute. Und wenn sie klappt, setzen sich andere Revolutionäre bestimmt dazu.

Ob er steinreich ist, wird nur gemunkelt, jedenfalls hat er jede Menge Spaß und sich endlich wieder gemeldet: Marvin, unser Beach-Commandante, saß doch glatt im Senegal auf einem Bankerl:
Hallo, heute melde ich mich auch mal wieder von den Stränden dieser Welt. Hat ja doch etwas gedauert, aber wenn man so viel im Süden unterwegs ist kann man schon mal vor lauter Entspannung auf dem Bankerl einschlafen. Tja so ist es halt. Man sitzt so da, schaut den Affen (manchmal auch ein anderer Begriff für Leute) zu, wie sie so vor sich hinleben und lässt die Seele baumeln. Im nächsten Augenblick wird man dann wach und denkt sich: Kinder, wo ist die Zeit nur hin? So auch geschehen neulich, kurz vor meinem letzten Geburtstag. Ich saß so auf meiner Trainingsbank am Strand im Senegal und sinnierte darüber, ob ich mir nun ein Eis oder einen Cocktail zu Gemüte führen würde. Gerade bevor das Ganze in Stress auszuarten drohte (dieser ist bekanntermaßen für Bankerl-Revolutionäre äußerst verboten), viel mir ein, dass ich ja gar nichts holen dürfte, weil ich eigentlich so viele Dinge erledigen müsste, die ich schon seit Ewigkeiten vor sich herschiebe. Es soll ja vielen Menschen so ergehen, dass sie Dinge aufschieben und später (eventuell) erledigen wollen, dann aber nicht dazu kommen. Bei mir allerdings stapelt sich die zu erledigende Arbeit bereits bergeweise und ich überlege mir eine Sekretärin und eine Putzfrau (beide mit möglichst großer Oberweite um meinen Geist zu inspirieren - das ist kein Machogehabe, sondern einfach eine musische Eigenschaft anmutiger Frauen) zuzulegen. Der nächste Gedankenschritt, der darauf unweigerlich folgen musste war natürlich, dass die Zeit nun bereits so schnell vergangen ist und man zu nicht gekommen war. Dann befällt einen in der Regel jede süße Melancholie in der man einige Zeit schwelgt. Doch nicht bei mir, denn in bin ein Revolutionär. Also widmete ich mich wieder den Affen und orderte mir den Cocktail. Im März fliege ich nach Tunesien und in die Türkei und da werde ich natürlich wieder Nachschub holen. Ansonsten sieht man mich dieses Jahr wieder öfter in BRD, weil ich meine Tätigkeit als Trainer bei Beachcamps intensivieren werde.

Ohne Zweifel, Marvin ist ein weiser Mann, ebenso wie Revolutionär Marco, der kürzlich unter anderem mit dem neuen Sympathisanten Gero, welcher außerdem ein Dinosaurier ist und deshalb prima zur Revolution taugt, auf einem buddhistischen Bankerl saß. Dort hatte Marco noch keinen Gedanken, später aber kam der Zen über ihn:

Nun sitze ich hier auf meinem neuen Bayreuther Bankerl (ein Foto hab ich auch schon gemacht, aber ich finde gerade die Kamera nicht, aber das hat ja Zeit) und lese die aktuelle Depesche. Um die darin aufgeworfene Frage zu beantworten, was ich denn mit Sympathisant Volker auf unserem Bankerl so trinke: Bewusstsein erweiternde Getränke (man könnte auch schnöde "Bier" dazu sagen). Wir trinken mäßig, d. h. regelmäßig, denn das ist notwendig, wenn man sich zum Zen trifft. Ja genau, dieser asiatische Meditations-Zauber, der gerade in die westliche Hemisphäre rüberschwappt.

Bei Volker und mir ist das ganz anders. Wir haben den Zen westeuropäisiert und damit hervorragend Bankerl-tauglich gemacht: wir sitzen, trinken, schauen und machen uns schwerwiegende Gedanken, ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist. Wir lösen das Problem meist dahingehend, dass wir es mit der rechten Hand ergreifen, es genüsslich zum Munde führen und, während der köstliche Saft unsere Kehlen hinab rinnt, mit der bis dato noch untätigen linken Hand beim Schankwirt eine weitere Runde bestellen. Somit leert sich das eine Glas, während ein neues wohl gefülltes heran naht. Sind nun die beiden Gläser im Mittelwert wieder halb voll oder leer? Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten - und genau das ist unser persönliches Bankerl-Zen. Revolutionär Bernhard durfte auch schon an unseren Zen-Abenden teilnehmen. Vor allem dann, wenn wir uns vorher gemeinsam zum Thema Dideldidu getroffen hatten. Wer neugierig ist, der kann mal auf www.dlddu.de schauen, da gibt es wunderschöne Orte, in denen viele Bankerl stehen. (War das jetzt Schleichwerbung? Ich glaube schon). Tja und während wir dann so mit Revolutionär Bernhard gemeinsam Zen geübt haben, wurden die Themen immer spiritueller (Anmerkung: Spirituell kommt von "spirit" = Geist = geist-reiche Getränke), fast schon esoterisch. Aber keine Angst, wir wollen keine Bankerl-Sekte gründen (obwohl in Sekte das Wort "Sekt" enthalten ist, auch ein spirituelles Getränk). Zurück zum Zen. Wir haben überlegt, dass uns der Alkohol manchmal von den wahrhaftigen Gelegenheiten, den besonderen Augenblicken des Lebens, fernhält. Nein, nicht durch den vernebelten Blick, das haben wir schon im Griff, sondern durch das ständige Nachbestellen. So sieht man gar nicht die wunderschöne Tischnachbarin oder die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe auf dem Tisch neben den künstlichen Blumen. Was einem da so alles entgeht... Dies hat uns nachdenklich gemacht, was ja wiederum die Hauptaufgabe des Zens ist. Und so haben wir beschlossen, ein Wochenende in Achtsamkeit, unter, so dachten wir wenigstens, Gleichgesinnten zu verbringen. Und so haben sich die Revolutionäre Bernhard und Marco gemeinsam mit dem Sympathisanten Volker und dem zukünftigen Sympathisanten Gero nebst dessen Zukünftiger zu einem Seminar angemeldet. Aber das ist eine andere Geschichte. beste-gruesse.de (Das ist noch mal Schleichwerbung) von Revolutionär Marco.


Bewusstseinserweiterung ist übrigens gar kein so schlechtes Thema auf dem Bankerl, wie auch Revolutionär Bernd zu berichten weiß, der eine costa ricianische Erfahrung zum Anlass genommen hat, sein Sympathisanten-Dasein endlich aufzugeben:

Saludos revoluciónares del banco, frisch zurück aus dem Urlaub muss ich euch gleich eine Geschichte erzählen: Zwei Wochen Costa Rica, klar, dass man in der kurzen Zeit nicht alles von dem Land sehen kann, aber natürlich gilt es trotzdem, so viele Eindrücke wie möglich mit zu nehmen. Also wird aus Gründen der Mobilität ein Motorrad ausgeliehen und ein straffer Tourenplan aufgestellt. 16 Tage a 200 km. Da bekommt man doch einiges zu sehen und hat trotzdem noch Zeit für diverse Einlagen (Strände, Städte, ....). Am vierten Tag meiner Tour und nach gerade mal 400 Kilometern (die Straßen in diesem Land verdienen diese Bezeichnung nicht!), stand ein Besuch in einem der vielen Nationalparks an. In den Reiseführern wird viel von der einzigartigen Flora und Fauna der Nebelwälder Costa Ricas geschrieben und die wollte ich mir natürlich ganz genau ansehen. Wofür ist man denn schließlich den weiten Weg gekommen? Um den engen Zeitplan einhalten zu können, musste ich den auf knapp drei Stunden angesetzten Rundgang in zwei Stunden schaffen. Also legte ich los - im Eilschritt und mit der Kamera immer im Anschlag, damit ich auch alle meine gefährlichen Begegnungen mit den Tieren des Dschungels belegen kann... Eine Stunde später war ich nicht nur völlig erschöpft und von oben bis unten durchnässt (aahhh! Deswegen also Nebelwald!), außer viel grünem Gestrüpp hatte ich auch noch kein einziges Tier gesehen. Naja, da war ein toter Tausendfüßler, aber der zählt nicht. Eine Stunde im Dschungel und kein einziges Vieh? Das stank nach Betrug!!! Ich war gerade an meinem moralischen Tiefpunkt angelangt, als ich an einen Platz mit Ausblick und einem Bankerl kam. In unauffälligem Grün (das ist in der Umgebung wirklich unauffällig) und mit einem daran montierten Tisch zum Brotzeit machen. Als Bankerl-Sympathisant setzte ich mich also darauf und begann mit meinem Schicksal zu hadern. Und nach einer Weile... Ich hatte mal gelesen, dass ein Besuch in Costa Rica etwas von einer LSD-Erfahrung haben soll - alles, was man länger fixiert, beginnt sich zu bewegen. Daran musste ich denken, als ich plötzlich diese Blattschneiderameisen-Autobahn entdeckte. Gleich darauf sah ich jede Menge Schmetterlinge, Insekten und anderes Kleingetier (das dort nicht so wirklich klein ist). Die Mistviecher bewegen sich ganz einfach nicht, wenn man angetrampelt kommt. Erst wenn sie sich sicher fühlen, werden sie aktiv und damit erkennbar. Weiter auf dem Bankerl sitzend sah ich einen Nasenbär, einen Kaiman, ein Faultier (man muss wirklich laaange hin sehen um es zu erkennen) und eine kleine Schlange. Als in dem kleinen Erdloch rechts von mir plötzlich behaarte Spinnenbeine auftauchten, packte mich freilich wieder die Eile. Schließlich musste ich ja noch vor der Dunkelheit mein nächstes Hotel erreichen... Nach dieser Erfahrung fühle ich mich endlich reif für die Bankerl-Revolution. Öfter mal hinsetzen und schaun, damit man auch das Wesentliche erkennen kann - endlich hab' ich es begriffen! Mögen wir immer mehr werden! Pura vida und viva la revolution! (aber blos net hudla!) Bernd

Besser hätte man den Sinn des Bankerl nicht schreiben können. Deshalb ist jetzt auch Schluss mit dem obligatorischen Hinweis, dass alle, die keine Depesche lesen können bzw. wollen, diese auch abbestellen dürfen, denn das geht (wenn es sein muss und weil es hier stehen muss) ganz einfach: Einfach eine eMail an depesche@auf-dem-bankerl.de schicken mit dem Betreff "Ich mag keine Depesche mehr".

Und es sei gesagt: Möge Euch das Bankerl immer den Blick auf einen Nasenbär und ein Faultier schenken!
 
     
     
     
  Fenster schliessen