no go

21. März 2006 / Die Bankerl-Depesche, die Neunte


Eigentlich sitzen wir nur auf einem Bankerl und schauen. Eigentlich sinnieren wir mehr als dass wir nachdenken, in jedem Fall lassen wir nicht unsere Seele baumeln. Weil das machen alle wichtigen Leute, also die Seele baumeln lassen, und dabei wissen wir eigentlich nicht, ob wir eine Seele haben und was sie gerade macht. An eine Seele glauben darf man auf dem Bankerl freilich schon, nur sollte man die Seele, wie alle anderen und alles andere übrigens auch, in Ruhe lassen und nicht vorschreiben, was sie zu tun haben. Vielleicht will meine Seele gar nicht baumeln, sondern will nur auf einem Bankerl sitzen, zum Beispiel auf Costa Rica, wo Revolutionär Bernd zwei Bankerl gefunden und photographiert hat, die famoser nicht sein können. Der Sub-Commandante jedenfalls kann sich gut vorstellen, dass er dort mit seiner Seele lange sitzen kann, natürlich nur, wenn die Seele will. Und wenn was zu trinken da ist, ein Bier zum Beispiel.

Die neuen Bankerl in der Bankerl-Galerie werden jedenfalls in dieser Depesche angeschaut, aber vorher wollen wir noch einmal zurückkommen auf die baumelnde Seele, welche ein treffliches Beispiel für moderne Redewendungen ist. Sind solche generell auf dem Bankerl zu vermeiden, stellt sich die Frage? Eigentlich schon, weil das Bankerl ja generell keine großen Veränderungen mag, schon gar nicht in der Sprache. Andererseits ist das Bankerl ja nicht konservativ im eigentlichen Sinne, vielmehr gilt hier ja die allumfassende Toleranz gegenüber jedem und alles, solange er, sie oder es nicht gegen das Manifest ist. Kommen wir also zum Kern der Sache: Revolutionärin Sybille und Revolutionär Marco haben kürzlich unabhängig voneinander und zu jeweils verschiedenen Themen den Sub-Commandante mit einem schnell hingeworfenen no go (in der deutschen Übersetzung: geht gar nich... übrigens ohne t zum Schluss) verwirrt. Nun gut, dass der Sub-Commandante als solcher ein no go ist, ist unbestreitbar, aber ist der Ausdruck einem Bankerl genehm? Vielleicht nein, vielleicht aber doch, denn immerhin bedeutet no go ja, dass nicht gegangen wird, respektive Bewegung verpönt ist, und das trifft definitiv auf den typischen Bankerl-Sitzer zu...

... der in den vergangenen zwei Wochen www.auf-dem-bankerl.de erst mal lange geschaut hat, ohne dass was passiert ist, und dann plötzlich staunen durfte, weil der Web-Commandante nicht als fauler Socken gelten wollte und deshalb viele Bankerl eingestellt hat. Zum Glück, weil an die depesche@auf-dem-bankerl.de ist diesmal fast nix geschickt worden, was allerdings kein no go ist, solange nicht eine baumelnde Seele als Grund dafür angegeben wird.

Das wichtigste Ereignis vorneweg: Revolutionär Roland, ein Revolutionärs-Gastronom im Revolutionsdorf Burglengenfeld (von dem Revolutionär Jürgen behauptet, dass hier noch ein diebisches Urvolk der Wegelagerei und Hohlweglauerei frönt), hat sich auf ein Bankerl gesetzt, weil er sich dachte, sein runder Geburtstag sei ein guter Tag, einfach mal ein bisserl zu schauen. Davon hat wiederum Revolutionär Michael, der Jüngere, Wind bekommen, weshalb er sich mit seiner Monika einfach dazu gesetzt hat. Von diesem Idyll waren so viele Menschen angetan, dass plötzlich das Bankerl voll war. Ob der Jubilar noch zum Schauen gekommen ist, bleibt ungewiss, in der Gemeinsam-Rubrik www.auf-dem-bankerl.de ist das Ereignis jedenfalls chronologisch dokumentiert.

Und dann sinds immer mehr geworden, das gilt auch für die Sympathisanten, zu denen Sympathisant Klaus dazu gestoßen ist. Der wohnt in München, sucht ein schönes Bankerl und hat Chaos aufm Schreibtisch. Mal schaun, wie er sich macht bzw. wie er sich nicht macht (weil auf dem Bankerl macht man ja nix), in jedem Fall ist er die Bankerl-Speerspitze nach Australien, weil da war er schon und da kennt er potenzielle Revolutionäre.

Warum ist Australien so wichtig? Es ist nicht wichtiger als andere Länder und Kontinente, aber es ist halt schon schön, wenn Bankerl-Bilder aus aller Welt bei unserer Revolution ihre Heimat finden. Zwar warten wir noch auf ein Neuseeland-Bankerl von Revolutionär Werner, ein Bayreuth-Bankerl von Sympathisant Gero, ein Wuppertal-Bankerl von Revolutionär Michael alias Doc Mila, ein Sardinien-Bankerl von Revolutionärin Stephanie, ein Brasilien-Bankerl von Revolutionär Martin und jede Menge Bankerl von den Globetrotter-Revolutionären Dirk und Silke, aber wir haben diesmal herrliche neue Bankerl in der Galerie:
Argentinien, Australien, Senegal, Costa Rica, Rajasthans, Schweiz, Kalifornien, Ebersberg und Schliersee, es gibt überall einen Platz zum Schauen und Sinnieren.

Wer sinniert, findet übrigens manche neue Idee oder auch nur Ergänzung zum bereits Gesagten. Das ist Revolutionärin Katrin passiert, weshalb sie ihre Geschichte vom Kettenmail noch mal umgeschrieben hat. Und wie zuvor wollte sie nur die Meinung vom Sub-Commandante, und wie zuvor stellt er den nach seiner Meinung ebenfalls gelungenen Text einfach in die Depesche. Ungefragt natürlich, weil zum Fragen war er jetzt zu faul. Außerdem hat Katrin seinen eMail-Account mit einer 100 Megabyte-Datei zerscheppert, weshalb sie in seiner Schuld steht. Oder so:

Gestern hab ich wieder eine dieser Kettenmails bekommen... die mir ganz unglaubliche, spektakuläre und einzigartige Dinge verspricht! Folgendes war der Inhalt: wenn ich die Mail an 9 Personen weiterleite (wahrscheinlich innerhalb von maximal 5 Minuten) ein Video auf meinem Bildschirm erscheinen wird. Ich glaube es eigentlich nicht - vor allem, wie soll's funktionieren??? Aber trotzdem hadere ich mit mir, es vielleicht doch auszuprobieren...

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, wieviel Pech ich eigentlich schon gehabt haben müsste. Mindestens 25x oder öfter die große Liebe verpasst, den großen Geldsegen leider nicht bekommen. Und für die nächsten 1.267 Jahre müsste ich als absolut unglücklicher Mensch leben. Und das alles nur weil ich diese Kettenmails nie weiterleite.

Aber eigentlich hab ich mich bisher nur selten wirklich schlecht gefühlt, aber wer weiß was ich schon alles verpasst habe... Oder vielleicht lagen die paar mal wo es mir nicht so gut ging, daran, dass ich wieder mal eine Kettenmail nicht weitergeleitet hab , aber eigentlich glaub ich das nicht. Eigentlich. Denn eigentlich bin ich ja schon neugierig. Und vielleicht bringt mich diese Neugier jetzt dann doch noch dazu, die Mail weiterzuleiten... die Armen, die dann das gleiche Schicksal wie ich erleiden müssen. Ich find es nämlich eine Frechheit welche Kettenmail-Flut da jeden Tag über mich hereinbricht! Glauben meine vermeintlichen Freunde und Bekannten denn wirklich ich hätt nix anderes zu tun als den ganzen Tag irgendwelche Mails an 5, 10, 25 oder mehr Personen weiterzuleiten nur um dann immer wieder zu merken dass diese Versprechungen sowieso nicht in Erfüllung gehen!?!

Ich hadere immer noch mit mir! Diese schreckliche Neugier die sich da in mir hochschleicht... Ich glaube ich muss mir ein paar Personen aussuchen die mir nicht so wichtig sind und die Mail losschicken. Hoffentlich finden sich solche in meinem E-Mail-Verteiler...

Das mit den Personen die ich nicht so gern mag, geht nicht. Ich konnte keinen dazu degradieren... So, aber wie mach ich das jetzt - einerseits verachte ich mich jetzt schon für meine Neugier, andererseits weiß ich schon jetzt dass ich es doch nicht lassen kann. Also ich habs getan. Aber ich habs nur an drei Personen geschickt - davon zweimal an mich ;) und an meine Mutter (um die E-Mail dann gleich wieder aus ihrem E-Mail-Account zu löschen - gut dass ich ihre Zugangsdaten hab). Funktioniert hats natürlich nicht - kann jetzt zum einen daran liegen, dass ich es an zu wenige gesendet habe, oder zum anderen daran - wie vermutet - dass es wieder mal ein Schmarrn war... Aber das werde ich wohl nie erfahren... Und um mich von dieser Aufregung wieder zu erholen muss ich mich jetzt erst mal setzen - natürlich auf ein Bankerl...


Das Bankerl als Ort der Ruhe im Chaos der Zeit, das wissen Revolutionäre zu schätzen. Es lohnt sich deshalb auch ein Blick auf die Revolutionärsseiten, zumal in den jeweiligen Noch-mehr-Bankerl-mit-Listen Erstaunliches (und nicht auf der Startseite eigens angesprochenes) zu Tage treten kann: So ist der Sub-Commandante mit Noah über den See gelaufen und hat ein Bankerl auf einer Insel gefunden, Beach-Commandante Marvin hat sich auf Acapulco einen Spinat-Petersilie-Ananas-Shake genehmigt, Revolutionär Rüdiger ist samt Kamera im Schnee versunken und der Web-Commandante persönlich hat jetzt ein eigenes tragbares Bankerl.

Und weil dem so ist, stellt (nicht nur) er es allen frei, ob sie die Depesche lesen können bzw. wollen. Wenn nicht, kann man diese auch abbestellen, denn das geht (wenn es sein muss und weil es hier stehen muss) ganz einfach: Einfach eine eMail an depesche@auf-dem-bankerl.de schicken mit dem Betreff "Ich mag keine Depesche mehr".

Und zum Schluss unser Wunsch für die Zukunft: Möge ein jeder von Euch wie der Web-Commandante bald sein eigenes Bankerl finden!

 
     
     
     
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